Auf einen Blick
New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hat den 250. Jahrestag der USA genutzt, um Einwanderer zu verteidigen und Trump zu kritisieren – am Schreibtisch George Washingtons.
Die Rede schafft einen direkten, öffentlichen ideologischen Gegenpol zwischen einem demokratisch geprägten Großstadtbürgermeister und Präsident Donald Trump beim selben nationalen Meilenstein – nur Tage nachdem der Oberste Gerichtshof Trumps Versuch zurückgewiesen hat, das Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft abzuschaffen.
Trumps eigene Semiquincentennial-Rede am Mount Rushmore, die noch am selben Tag geplant ist, sowie die politische Entwicklung von drei von Mamdani unterstützten Kongresskandidaten, deren jüngste Vorwahlsiege national aufmerksam verfolgt werden.
Mamdani hält Jubiläumsansprache im New Yorker Rathaus
Der Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani, beging am Freitag den 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten mit einer Rede im New Yorker Rathaus, die sich auf Einwanderung konzentrierte und einen pointierten ideologischen Gegenpol zu Präsident Donald Trumps für später am selben Tag geplanter Semiquincentennial-Ansprache bildete. Laut The Guardian hielt Mamdani die Ansprache hinter einem Schreibtisch im Rathaus, der einst dem ersten Präsidenten des Landes, George Washington, gehörte und nach Angaben der Zeitung rund ein Jahrhundert älter ist als der Resolute-Schreibtisch im Weißen Haus.
CBS News New York berichtete, die Rede des Bürgermeisters habe sich auf „die Kraft der Einwanderer und die Bedeutung des Rechts auf Einwanderung“ konzentriert. The Guardian beschrieb die Veranstaltung als „historisch aufgeladenen ideologischen Gegenpol“ zu einer separaten Rede, die von Trump erwartet wurde und der in seiner zweiten Amtszeit Massenabschiebungen verfolgt.
Historischer Rahmen: New York als Tor Amerikas
Mamdani nutzte seine Rede, um die Rolle New Yorks bei der Gründung des Landes neu zu deuten. Während Philadelphia weithin als Wiege der amerikanischen Demokratie gilt, argumentierte Mamdani, dass New York im Jahr 1776 ein Ort gewesen sei, an dem die Unabhängigkeit „unter dem Joch der Unterdrückung“ der britischen Herrschaft „schwelte“. Der Bürgermeister zog dann eine Linie von dieser Stadt aus der Kolonialzeit zur heutigen Einwanderermetropole.
„Hunderttausende irische Einwanderer kamen mit vom Hunger geplagten Mägen, verursacht durch imperiale Grausamkeit“, sagte Mamdani laut The Guardian. Er erwähnte chinesische Seeleute, die sich im heutigen Chinatown niederließen, Jüdinnen und Juden, die Pogromen entkamen, Italienerinnen und Italiener, die der Armut entflohen, und Syrerinnen und Syrer, die wirtschaftliche Chancen suchten, und fügte hinzu: „Trotz der vom Bund verabschiedeten Gesetze, die ihnen den Zugang verwehren sollten … haben Einwanderer hier in New York City ein Zuhause gefunden und sie haben New York City mitgeprägt.“ The Guardian berichtete, Mamdani sei während der Rede von eingebürgerten Bürgerinnen und Bürgern umgeben gewesen.
Direkte Kritik an Trumps Einwanderungspolitik
Laut The Guardian warb Mamdani um eine ausdrückliche Abgrenzung von der Richtung der Bundespolitik unter Trump. „Die Mächtigen haben ihre Antwort immer gekannt. Amerika ist in ihrer Sicht eine Arena der Vorherrschaft, in der nur wenige Auserwählte Freiheit genießen dürfen, in der nicht alle gleich erschaffen sind“, sagte er laut der Zeitung. „Amerika wird, wenn man sie fragt, umso weniger, je mehr Menschen es aufnimmt. Amerika, so werden sie sagen, gehört nur denen mit dem richtigen Akzent oder dem richtigen Hautton. Der Rest von uns, so bestehen sie, soll dankbar sein, überhaupt geduldet zu werden.“
Die Rede kam nur Tage, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA einen Versuch Trumps – den The Guardian als Landsmann aus New York bezeichnete – zurückgewiesen hatte, das Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft abzuschaffen, und bekräftigt hatte, dass nahezu alle auf US-Boden geborenen Personen US-Bürger sind. Mamdani verwies auf dieses Urteil und sagte, der Grundsatz, dass „das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück auch für sie gilt, ist kein Relikt der Vergangenheit“.
Mamdanis persönlicher Hintergrund und politisches Profil
Laut The Guardian wurde Mamdani in Uganda geboren, zog im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach New York City und erhielt 2018 die US-Staatsbürgerschaft. Die Zeitung bezeichnete ihn als demokratischen Sozialisten. France 24 stellte ihn in der Schlagzeilenberichterstattung über die Rede als Teil eines „aufstrebenden Flügels der Demokratischen Partei“ dar.
In seiner Ansprache würdigte Mamdani die Entdecker Giovanni da Verrazzano und Henry Hudson, ließ jedoch, wie The Guardian berichtete, „auffallend Christoph Kolumbus aus, der weithin weniger als Entdecker denn als Kolonisator betrachtet wird“. An frisch Eingebürgerte gewandt schloss er mit den Worten: „Sie alle halten eine besondere Macht in den Händen – die Macht zu bestimmen, was Amerika bedeutet.“
Warum diese Rede, warum jetzt
Mitarbeiter des Bürgermeisters hatten die Ansprache laut The Guardian als Gelegenheit angekündigt, über die Rolle New York Citys „in unserer nationalen Geschichte“ und „seine Stellung als symbolisches Tor der Nation“ nachzudenken. The Guardian wies zudem darauf hin, dass die Rede auf Vorwahlsiege dreier von Mamdani unterstützter Kongresskandidaten in New York folgte, während andere Kandidaten, die seinem politischen Markenprofil folgten, in klar liberal geprägten Städten wie Philadelphia, Denver und Washington, D.C. besser abschnitten als gemäßigte Demokraten.
Mamdani fasste den Moment als Aufruf zum gemeinsamen Handeln auf, nicht als Nostalgie. „Jene, die durch Ausgrenzung und Isolation führten, haben versucht, an die Macht zu kommen und sich zu bereichern, indem sie uns gegeneinander aufhetzten. Spaltung ist der älteste und billigste Trick in der Politik“, sagte er laut The Guardian. Er lieferte auch eine Definition von Patriotismus, die der von Trump erwarteten widerspricht: „Patriotismus war nie die Verstellung, unsere Nation sei ohne Makel. Patriotismus ist jede Form aufrechten Widerstands. Es ist jeder Marsch unter der schweren Sonne. Es ist jede Protestaktion, die ein Jahrzehnt vor ihrer Zeit stattfand. Gerade weil wir dieses Land lieben, werden wir es nicht verlassen.“
Trump plant eigene Ansprache am Mount Rushmore
Während Mamdani in New York sprach, war Trump für später am Freitag eine eigene Semiquincentennial-Rede am Mount Rushmore geplant. Laut The Guardian wurden bei dieser Veranstaltung Feuerwerk, Militärorchester, Flugshows und eine Huldigung der sechs Teilstreitkräfte der US-Armee erwartet. Die beiden aufeinanderfolgenden Ansprachen verleihen dem Jubiläum eine ungewöhnlich scharfe parteipolitische Note, da zwei der prominentesten politischen Figuren des Landes konkurrierende Visionen davon bieten, was Amerika ist und wem es gehört.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Drei kurzfristige Entwicklungen werden voraussichtlich prägen, wie die Rede Mamdanis eingeordnet wird. Erstens wird die Reaktion auf Trumps Ansprache am Mount Rushmore, die laut The Guardian noch für denselben Tag vorgesehen war, darüber entscheiden, ob die beiden Reden zu einer anhaltenden landesweiten Erzählung werden oder eine einmalige Gegenüberstellung bleiben. Zweitens werden die Wege der drei von Mamdani unterstützten Kongresskandidaten nach ihren Vorwahlsiegen, die The Guardian in New York hervorhob, sowie die Ergebnisse nachgeordneter Wahlen in Philadelphia, Denver und Washington als früher Test beobachtet, ob das demokratisch-sozialistische Modell über die Stadt des Bürgermeisters hinaus trägt. Drittens wird die Umsetzung und die politischen Folgen des Urteils des Obersten Gerichtshofs zum Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft – das Mamdani in seiner Rede heraufbeschwor – den rechtlichen Rahmen setzen, vor dem künftige Auseinandersetzungen um die Einwanderungspolitik zwischen dem Rathaus und Washington ausgetragen werden.
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