Wirtschaft

US-Arbeitsmarkt schwächelt vor Kongresswahlen

Auf einen Blick

Was ist passiert

Im Juni stiegen die US-Lohnsummen nur um 57.000 Stellen, deutlich weniger als erwartet; die Arbeitslosigkeit lag bei 4,2 Prozent. Analysten bewerten die Folgen für Fed, Trump und die Midterms im November.

Warum es wichtig ist

Der schwache Juni-Jobbericht wirft erstmals in diesem Zyklus anhand harter Daten die Frage auf, ob der Arbeitsmarkt so rasch abkühlt, dass eine Zinserhöhung verschoben werden muss – und liefert beiden Parteien Munition in einem Wahlkampf, der laut Prognosen in wenigen Bundesstaaten entschieden wird.

Was als Nächstes zu beobachten ist

Im Blick: die nächste BLS-Revision Anfang August, der Juli-Jobbericht ebenfalls Anfang August, Signale der nächsten Fed-Sitzung sowie Gerichtsentscheidungen zum SAVE Act und zu den Verfügungen zur Wählerregistrierung aus dem Jahr 2026 vor dem November.

Schwächer als erwartet: Der Juni-Lohnsummenbericht

Die US-Wirtschaft hat im Juni 57.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, die Arbeitslosenquote sank leicht auf 4,2 Prozent. Das teilte das Bureau of Labour Statistics (BLS) am Donnerstag laut der South China Morning Post mit. Der Wert verfehlte die Markterwartungen deutlich: Von Dow Jones Newswires und dem Wall Street Journal befragte Ökonomen hatten 115.000 neue Stellen vorausgesagt. Das BLS revidierte zudem die Beschäftigungszahlen für April und Mai um insgesamt 74.000 Stellen nach unten und zeichnete damit ein schärferes Bild eines Arbeitsmarktes, der in den vergangenen Monaten zwischen Wachstum und Schrumpfung schwankte.

Löhne, Preise und Kaufkraft

Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Jahresvergleich um 3,5 Prozent und blieben damit 0,7 Prozentpunkte hinter der Inflation zurück – eine Lücke, die bedeutet, dass die US-Arbeitnehmer im Durchschnitt an Kaufkraft verloren haben. Die Inflation hat in den vergangenen Monaten neue Dreijahreshöchststände erreicht. Der SCMP-Bericht führte den Preisdruck unter anderem auf das zurück, was er als „die Folgen von Präsident Trumps Krieg gegen den Iran” bezeichnete. Obwohl die Juni-Zahl insgesamt schwach ausfiel, verwies die SCMP auf Kathy Bostjancic, Chefökonomin von Nationwide, die den Bericht als „insgesamt positiv” las. Bostjancic führte die schwache Stellenschaffung auf einen „negativen Belastungsfaktor” durch höhere Energiepreise für Arbeitgeber zurück und erklärte, der Rückgang der Arbeitslosenquote spiegele vor allem eine sinkere Erwerbsbeteiligung wider und keinen Anstieg der Einstellungen.

Branchenbild: Gesundheitswesen wächst, Industrie stagniert

Wachstumstreiber waren das Gesundheitswesen und die Sozialarbeit. Das Gesundheitswesen schuf 22.000 Stellen – weniger als im Zwölf-Monats-Durchschnitt –, während die Sozialarbeit mit 25.000 neuen Stellen über ihrem Jahresdurchschnitt lag. Demgegenüber verlor die Freizeit- und Gastronomiebranche nach einem starken Mai wieder Stellen. Große Sektoren wie verarbeitendes Gewerbe, Einzelhandel, Transport und Finanzwesen stagnierten laut der BLS-Zusammenfassung durch die SCMP. Chris Zaccarelli von Northlight Asset Management sagte der SCMP, die Verlangsamung „könnte einige der stärker restriktiv eingestellten Fed-Gouverneure dazu bringen, rasche Zinserhöhungen zu überdenken”, und deutete an, dass die Marktreaktion am Freitag noch etwas weniger restriktiv ausfallen könnte als vor dem Bericht.

Reaktionen entlang der Parteilinien

Politisch aufgeladene Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren sagte laut SCMP, Trumps „gescheiterte Wirtschaftspolitik schwächt den Arbeitsmarkt”. Das Weiße Haus konterte: Sprecher Kush Desai erklärte, der „Arbeitsmarkt bleibt dank Präsident Trumps Wirtschaftspolitik robust” und die „Amerikaner können darauf vertrauen, dass das Beste noch kommt”. Die gegensätzlichen Deutungen verdeutlichen, wie Wirtschaftsdaten im Jahr 2026 im Vorfeld der Kongresswahlen im November nahezu als Wahlkampfmaterial gelesen werden.

Was die Fed zuvor erwartet hatte

Vor dem Bericht hatte die Federal Reserve signalisiert, dass ihr Fokus auf der Eindämmung der Inflation liege und nicht auf der Beschäftigungsseite ihres Doppelmandats. Die geldpolitischen Entscheidungsträger hatten nach Angaben der SCMP eine weitere Zinserhöhung bis Jahresende zur Inflationsdämpfung in Aussicht gestellt. Der neue Vorsitzende Kevin Warsh hatte im Vormonat seine erste Zinssitzung geleitet. Nachdem der Juni-Einstellungsbericht nun unter dem Trend liegt, sagten Fed-Beobachter, die Arbeitsmarktschwäche könnte den Politikern Anlass für eine Pause geben – obwohl die Fed zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben hatte.

Warum dieser Bericht in einem Wahljahr fällt

Die Kongresswahlen bilden den politischen Hintergrund für jeden Arbeitsmarktbericht dieses Jahres. Die Republikanische Partei steht im November vor Wahlen, in denen die Demokraten versuchen, beide Kammern des Kongresses zu gewinnen. Trumps breiter angelegte Wirtschaftspolitik – einschließlich Zöllen und industriepolitischer Maßnahmen zur Rückkehr der Produktion in die USA – wird nun an einem weicheren Arbeitsmarkt gemessen. Da die Kontrolle über Repräsentantenhaus und Senat auf dem Spiel steht, haben beide Parteien einen Anreiz, jeweils die Daten hervorzuheben, die ihr bevorzugtes Narrativ stützen: Das Weiße Haus verweist auf eine Arbeitslosenquote unter 5 Prozent und stetiges Lohnwachstum, die Gegner auf die enttäuschenden Zahlen, die Abwärtsrevisionen und den inflationsbereinigten Kaufkraftverlust.

Die Prognose für die Midterms 2026

Die Senatsprognose 2026 des Economist, veröffentlicht auf der interaktiven Modellseite, sieht für die Demokraten eine Chance von 1 zu 2, die Kammer zu übernehmen, wobei der republikanische Vizepräsident J.D. Vance als Tiebreaker bereitstünde. In diesem Jahr werden 35 Sitze neu vergeben; das Modell besagt jedoch, dass die meisten davon nicht umkämpft seien und der Kampf sich auf eine kleine Gruppe von Sitzen konzentrieren werde, die derzeit mehrheitlich von Republikanern gehalten werden. Das Modell führt 25.001 Simulationen pro Rennen durch, basierend auf Umfragen, Vorwahlen, Spendeneinnahmen und Fundamentaldaten. Obwohl Donald Trump nicht auf dem Stimmzettel stehen wird, rahmt der Economist die Midterms als Referendum über seine zweite Präsidentschaft ein und schreibt, welche Partei den Kongress kontrolliere, werde die letzten zwei Jahre seiner Amtszeit prägen.

Parallele Auseinandersetzungen über die Wahlregeln

Ein separater, aber verwandter Kampf tobt über die Regeln der Abstimmung selbst. Die New York Times berichtete, Trump habe Bundesbehörden angewiesen, „Dutzende Maßnahmen” zur Gestaltung der Midterms zu ergreifen, darunter eine Verfügung aus dem März 2025, die einen dokumentarischen Nachweis der Staatsbürgerschaft zur Wählerregistrierung verlangt, sowie die Wiedereinführung von Fristen für Briefwahlstimmen, die gerichtlich blockiert wurde. Eine zweite Verfügung aus dem März 2026, die staatsweise Bürgerlisten und weitere Briefwahlbeschränkungen schuf, wurde ebenfalls von knapp der Hälfte der Bundesstaaten sowie von Wahlrechtsgruppen angefochten; ein Bundesrichter gab den Klägern recht und blockierte zentrale Bestimmungen. Das Justizministerium hat mindestens 30 Bundesstaaten und Territorien wegen ungeschwärzter Wählerlisten verklagt und dabei mindestens zehn Fälle sowie eine Berufung verloren. Das Heimatschutzministerium hat Wählerlisten auf nicht-ansässige Bürger untersucht, die gewählt haben, laut Times jedoch keine Belege für weitverbreiteten Betrug gefunden. Ein Bundesrichter untersagte es der Regierung, Bundesstaaten ein bundesstaatliches Bürgerdateninstrument nutzen zu lassen. Das Weiße Haus verteidigte in einer von der Times zitierten Erklärung die Maßnahmen des Präsidenten als Streben nach „vollem Vertrauen” in die Wahlverwaltung.

Der SAVE Act und innerrepublikanische Spannungen

Innerhalb der republikanischen Fraktion gibt es laut NBC News Groll über Trumps Vorstoß für den SAVE Act, der Teile des US-Wahlrechts neu fassen würde, und einige republikanische Abgeordnete fürchten, Trump könnte ihnen die Schuld geben, falls die Vorlage scheitert und die Partei im November Sitze verliert. NBC zitierte einen republikanischen Senator, der Trump als „einen Tyrannen … und niemand kann etwas dagegen tun” beschrieb. Derselbe NBC-Bericht schrieb, der Präsident habe die Unterzeichnung eines Wohnungsbaugesetzes verweigert, was einige in seiner eigenen Partei ratlos mache. Zusammen mit den BBC-Berichten über interne republikanische Spaltungen über die Reaktion auf die Supreme-Court-Entscheidung gegen seinen Versuch, das Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft abzuschaffen, ergibt sich das Bild eines Weißen Hauses, das eine ganze Reihe unpopulärer oder ins Stocken geratener legislativer und exekutiver Initiativen vorantreibt – während die zugrundeliegende Wirtschaft Zeichen von Belastung zeigt.

Eine Supreme-Court-Entscheidung zur Wahlkampffinanzierung

Als weitere Variable berichtete der BBC-Podcast Americast von einer wegweisenden Supreme-Court-Entscheidung, die Beschränkungen aufhob, wie viel politische Parteien für einzelne Kandidaten ausgeben dürfen, was eine neue Ausgabenwelle bei den Midterms auslösen und möglicherweise das Präsidentschaftsrennen 2028 neu formen könnte. Die BBC wies darauf hin, dass die Republikaner derzeit die Demokratische Partei bei den Spendeneinnahmen deutlich übertreffen, und dass die Demokraten die Entscheidung als Sieg für „Milliardäre und Sonderinteressen” kritisierten. Trump feierte die Wahlkampffinanzierungsentscheidung laut BBC als einen „GROẞEN SIEG” für die Republikaner – in derselben Woche, in der das Gericht seinen Versuch, das Geburtsrecht aufzuheben, kassierte.

Was als Nächstes zu beobachten ist

Die Märkte werden zunächst darauf achten, ob die Fed in Stellungnahmen nach den Juni-Daten eine Verschiebung der für Jahresende erwarteten Zinserhöhung signalisiert. Die BLS wird Anfang August ihre nächste Benchmark-Revision der Beschäftigungserhebung veröffentlichen, die die Juniu-Schwäche entweder bestätigen oder teilweise ausgleichen könnte; der Juli-Jobbericht steht ebenfalls Anfang August an. Vor Gericht könnten Verfahren zu den Verfügungen aus März 2025 und März 2026 sowie zum SAVE Act vor November weitere Entscheidungen bringen, während die Klagen des Justizministeriums zu Wählerlisten weiterlaufen. Politisch deuten die Berichte von SCMP und NBC darauf hin, dass Republikaner befürchten, der Präsident könnte ihnen die Schuld geben, falls sie im November Boden verlieren – eine Dynamik, die die parteiinternen Kalkulationen zur wirtschaftspolitischen Kommunikation bei jedem Arbeitsmarktbericht bis zum Wahltag färben könnte.

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