Auf einen Blick
Belgien glich einen 0:2-Rückstand mit drei späten Toren aus, darunter ein von Tielemans in der 125. Minute nach VAR-Überprüfung verwandelter Elfmeter, und besiegte den Senegal mit 3:2. Damit erreichen die Belgier das Achtelfinale der WM.
Das Ergebnis eliminiert den Senegal trotz dessen 86-minütiger Spielkontrolle und bringt Belgien in ein Achtelfinale gegen den Sieger der Partie zwischen den Vereinigten Staaten und Bosnien und Herzegowina. Der späte Elfmeter facht die weltweite Debatte über die Rolle des VAR in entscheidenden Spielmomenten erneut an.
Belgien wartet auf den Sieger der Begegnung zwischen den USA und Bosnien und Herzegowina am 1. Juli in Santa Clara. Senegals Spieler und Verband werden voraussichtlich gegen die Elfmeterentscheidung vorgehen. Zudem beschäftigt sich der Internationale Sportgerichtshof (CAS) noch mit dem separaten Einspruch Senegals im Zusammenhang mit der Niederlage im AFCON-Finale.
Belgien dreht Zwei-Tore-Rückstand in den Schlussminuten
Belgien feierte die bislang größte Aufholjagd der WM 2026: Nach einem 0:2-Rückstand setzte sich die Mannschaft am 1. Juli im Lumen Field in Seattle nach Verlängerung mit 3:2 gegen den Senegal durch. Nach Berichten der New York Times (über The Athletic) fiel die Entscheidung in der 125. Minute – nach Angaben der Publikation das späteste Tor in der Geschichte einer WM-Endrunde –, als Youri Tielemans einen nach VAR-Überprüfung gegebenen Elfmeter verwandelte.
Der Senegal hatte über weite Strecken der Partie das Geschehen bestimmt. Habib Diarra (24. Minute) und Ismaila Sarr (51. Minute) trafen beidseits der Halbzeitpause mit rechtsfüßigen Schüssen aus der Mitte des Strafraums, wie der von The Athletic veröffentlichte offizielle Spielbericht ausweist. Sarr traf zudem vor Diarras Führungstreffer zweimal den Pfosten. Senegals Offensive mit Sarr, Iliman Ndiaye und Sadio Mané bereitete der belgischen Defensive wiederholt Probleme.
Die Elfmeterentscheidung
Die entscheidende Szene ereignete sich nach einer flachen belgischen Hereingabe in den senegalesischen Strafraum, als Lamine Camara am Nahen Pfosten versuchte, den Ball wegzuspielen. The Athletic zufolge war umstritten, ob Camaras rechtes Bein Tielemans’ linken Fuß getroffen hatte. Nach mehreren Wiederholungen revidierte Schiedsrichter Said Martínez seine ursprüngliche Entscheidung auf Empfehlung des VAR.
Tielemans postierte sich bereits deutlich vor der endgültigen Bestätigung neben dem Elfmeterpunkt und signalisierte damit sein Selbstvertrauen. The Athletic wies darauf hin, dass zwischen dem angenommenen Foul und dem eigentlichen Schuss mehr als sieben Minuten vergingen: Verteidiger Pathé Ciss blieb nach einem leichten Kontakt mit dem Belgier Diego Moreira an der Stelle verletzt liegen, was das Spiel verzögerte. Romelu Lukaku hielt den Ball zunächst, übergab ihn dann an Tielemans, der mit einem rechten Fuß den Ball ins obere rechte Eck platzierte.
Senegals Spieler reagierten wütend, wie The Athletic berichtete. Die Publikation zog eine Parallele zum Afrika-Cup-Finale im Januar, als der Senegal aus Protest gegen einen weiteren späten, mittels VAR gegebenen Elfmeter den Platz verlassen hatte. Der Senegal gewann jene Partie noch auf dem Feld – durch einen Treffer von Pape Gueye in der Verlängerung –, doch die Berufungskommission des Afrikanischen Fußballverbandes sprach Marokko nachträglich einen 3:0-Forfaitsieg zu. Senegals Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ist nach Angaben von The Athletic noch anhängig.
Wie Belgien die Wende erzwang
Belgiens Ausgleich begann in der 86. Minute, als der eingewechselte Lukaku mit einem rechten Fuß aus der Mitte des Strafraums traf; die Vorlage kam von Thomas Meunier. Drei Minuten später köpfte Tielemans ebenfalls aus der Mitte des Strafraums; als Vorbereiter wurde Leandro Trossard geführt, wie der Spielbericht vermerkt. The Athletic zufolge fielen beide Tore innerhalb von 159 Sekunden und stellten vor der Nachspielzeit den Ausgleich zum 2:2 her.
The Athletic schrieb, dass die Einwechslungen von Kevin De Bruyne und Jeremy Doku um die 55. Minute durch Belgiens Cheftrainer Rudi Garcia zunächst verzweifelt gewirkt hätten. In dem Artikel wird der Moment beschrieben, in dem belgische Fans und Beobachter die sogenannte Goldene Generation bereits abgeschrieben schienen. The Athletic merkte an, dass selbst Garcias Maßnahmen vielen Beobachtern als das Ende des belgischen Turniers erschienen.
Der späten belgischen Erholung folgte in der 90. Minute eine Gelbe Karte für Garcia wegen Protests gegen einen Offiziellen, wie der Spielbericht festhält. Zuvor waren bereits Brandon Mechele (Belgien) in der 64. Minute und Lamine Camara (Senegal) in der 67. Minute verwarnt worden.
Die größere Bedeutung
Das Ergebnis bringt Belgien ins WM-Achtelfinale, wo man auf den Sieger der Begegnung zwischen den Vereinigten Staaten und Bosnien und Herzegowina trifft, die noch am 1. Juli in Santa Clara, Kalifornien, stattfindet. The Athletic verwies darauf, dass die USA im März in einem Testspiel mit 2:5 gegen Belgien verloren hätten und im Falle eines Weiterkommens vor einer schwierigen Aufgabe stünden.
The Athletic hob zudem Sarrs persönliche Leistung hervor: Sein Treffer brachte ihn gleichauf mit Roger Milla auf Rang zwei der ewigen WM-Torschützenliste afrikanischer Spieler, hinter Asamoah Gyan mit sechs Toren. Sarr erzielte in der vergangenen Saison 21 Tore für Crystal Palace. Die Publikation beschrieb ihn als einen Spieler, der „sich stetig weiterentwickelt und sein Spiel verfeinert“, der aber weiterhin im Schatten von Sadio Mané als Senegals profiliertester Akteur stehe.
Ausblick
Der belgische Achtelfinalgegner steht fest, sobald die Partie USA gegen Bosnien und Herzegowina am 1. Juli beendet ist. Das Ausscheiden Senegals folgt auf turbulente Monate für den Verband. The Athletic berichtete, dass der Internationale Sportgerichtshof (CAS) noch keine Entscheidung zu Senegals Berufung im Zusammenhang mit dem AFCON-Finale getroffen habe. Senegalesische Spieler zeigten sich nach dem Schlusspfiff gegen Belgien angesichts eines weiteren späten, den VAR betreffenden Elfmeters sichtlich erzürnt.
Die Berichterstattung von The Athletic schloss Leserreaktionen ein, die in der Bewertung der Elfmeterentscheidung gespalten waren: Ein Kommentator bezeichnete die Entscheidung als „die einzig richtige“, ein anderer nannte sie „korrupt“. Die Partie hinterlässt damit offene Fragen zu den Schiedsrichterstandards bei dieser WM – und bringt Belgien dennoch in die K.o.-Runde.
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